Und dann ging’s auch schon los - wir sollten und am Samstag um 10.00Uhr im
BMK Yachthafen Langenargen bei Steg 6 einfinden, wo die Boote von „DAS-Boot“-Chef Gunnar Müller liegen. Ohne jede Ahnung unsererseits ging es auf eine (zumindest in unseren Augen) schöne Holz-Trias und Raphi erklärte uns erstmal was und wo was ist. Schließlich ist die Boots- und Segelsprache für jemanden wie uns ohne Vorkenntnisse praktisch eine Fremdsprache. Wir hatten noch nicht richtig angefangen als Thomas zu uns stieß, unser Mitstreiter in diesem Segelkurs. Es hatte im Jahr zuvor schon einmal vier Tage bei Gunnar geschnuppert und wusste dadurch schon vieles wovon wir zwar im Buch schon gelesen, jedoch in der Praxis keinen Schimmer hatten.
Nach einer Einweisung welche Positionen es überhaupt gibt (Vorschoter, Backstager, Großschoter, Steuermann), was Fock, Großsegel und Pinne sind und wie sie bedient werden kam eine Einführung in die möglichen Kurse. Dass der Wind von verschiedenen Seiten kommen kann sollte jedem klar sein, aber was genau es dann heißt „am Wind“ oder mit „halbem Wind“ zu segeln stand auf einem ganz anderen Blatt. Doch grau ist alle Theorie und darum ging’s dann raus aus dem schützenden Hafen und rauf auf den Bodensee.
Der Wettergott hatte ein Einsehen mit uns – wir hatten strahlenden Sonnenschein und recht wenig Wind – was für meinen Geschmack zum Anfangen genau richtig war (und natürlich sollte sich das im Laufe der Woche noch drastisch ändern). Thomas hatte die Pinne als erster übernommen und wir staunten nur so über die Befehle: „Holt dicht die Schoten“ (will heißen nehmt die Segel enger zur Schiffsmitte) oder „Fiert auf die Schoten“ (diesmal sollen die Segel also weiter draußen sein) – wir hatten bald raus was zu tun ist; das ging ja noch. Raphi erklärte, korrigierte, beantwortete jede Menge (dumme) Fragen mit viel Ruhe und noch mehr Geduld. Aber dann wurde durchgewechselt und auf einmal bist Du selbst das erste Mal am Ruder, hast die Pinne in der Hand und sollte klare Befehle geben was zu tun ist, auf Deinen Kurs achten und möglichst keinen über den Haufen fahren – da kann man sich anfangs schon mal leicht überfordert fühlen. Aber ich dachte mir immer, dass mit der Zeit die Übung kommt. Und tatsächlich wurden die anfangs unzähligen Male, die wir die Pinne in die falsche Richtung legten (das funktioniert nämlich umgekehrt: Pinne nach links = Boot dreht mit dem Bug nach rechts) und „anluvten“ statt „abzufallen“ oder umgekehrt mit der Zeit weniger. Dafür wurde der Wind und die Wellen mehr und am Sonntag Nachmittag
war es ein leicht mulmiges Gefühl die Rettungswesten anzulegen. Aber es machte von Anfang an riesig Spaß und wir lernten Wende, Halse und „Mann über Bord“-Manöver ebenso wie Beidrehen. Mich hat besonders beeindruckt wie schnell man auch ein Segelboot aus gar nicht so langsamer Fahrt praktisch zum Stehen bekommt – der „Aufschießer“ macht’s möglich. Sobald der Wind keine Angriffsfläche mehr hat geht beim Segeln gar nichts mehr. Für mich macht es einen Großteil der Faszination aus, dass man von der Natur so abhängig ist und sich mit den Wetterverhältnissen arrangieren muss.
Ab Montag übernahm Florian unseren Kurs und es wehte – auch im wahrsten Sinne des Wortes – ein anderer Wind. Am Montag nahm der Wind ziemlich zu und am frühen Nachmittag wurde es zu viel für uns Anfänger – da konnten wir nicht mehr wirklich etwas lernen. Thomas nutzte die Zeit für Motorboot-Stunden und wir hatten frei. Am Dienstag sah es nicht viel besser aus. Wir haben es probiert und anschaulich verdeutlicht bekommen warum es beim Großsegel zwei Reffstufen gibt und es manchmal dennoch besser ist wieder in den Hafen einzulaufen – die Wasserschutzpolizei hatte gut zu tun.
Die versäumte Übungszeit holten wir dann am Mittwoch nach als wir dann bis 19.30Uhr auf dem Wasser waren. Am Mittwoch Nachmittag kam noch Enrico mit uns auf’s Boot und ergänzte unser bis dahin schon ganz schön zusammen gewachsenes Team – Segeln lernen verbindet ungemein und wir hatten viel Spaß miteinander. An dieser Stelle auch nochmals vielen Dank an unsere Segellehrer, vor allem an Florian und Raphi (auch Manuel und Harald haben ihren Anteil) und Gunnar, der fast alles möglich macht und immer ein offenes Ohr hat.
Jeder machte im Laufe der Woche seine Fehler die jeder andere aus eigener Erfahrung bereits kannte. Da wurde herzhaft gelacht als Klaus statt einer Ansage „Neuer Kurs: halber Wind“ lieber mit „neuer Wind: halber Kurs“ einen anderen Wind bestellte. Und es kam mehr als einmal vor, dass Kommandos vertauscht wurden. Da wurde mit „Ree“ beigedreht und mit „Rund achtern“ gewendet, nach dem Halsen die Großschot ohne aufzufieren gleich wieder dicht geholt und und und - Fehlermöglichkeiten gibt es im Überfluss.
Auch nach bestandener Prüfung und als stolze Besitzer des
„Bodensee-Schifferpatents Kategorie A + D“ sind wir natürlich noch keine perfekten Segler aber die grundlegenden Manöver klappen prima bei guten Bedingungen. Ebenso wie man mit dem Erwerb des Auto-Führerscheins nicht wirklich Auto fahren kann, werden für das Beherrschen eines Segelbootes auch bei widrigen Umständen noch viele Stunden auf dem Wasser nötig sein. Wir freuen uns darauf unsere Kenntnisse weiter zu vertiefen und zu entwickeln in einem Sport bei dem man wohl nie auslernt und immer wieder vor kniffligen Aufgaben steht.
Jedenfalls macht uns das Segeln so viel Spaß, dass wir als nächstes den SKS (Sportküsten-Schifferschein für das Segeln auf dem Meer in Küstennähe) in Angriff nehmen wollen. Wir werden hier wieder berichten wenn es soweit ist.